"DIE Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen."
- Theodor W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz
SAUERKRAUT , KUFENROLLER UND SILBERSCHEIBEN - VDS REGENSBURG UND SEIN SPRACHPURISMUS
//01. Juli 2008
"Fremde Worte werden nicht mehr in den Blutstrom der natürlichen Sprache eingefügt. Sie werden lediglich heruntergewürgt und bleiben unverdaulich."
-Literaturwissenschaftler Georg Steiner

Blutstrom und Verdauung - Diese biologistische Sprache, durch die der menschliche Verdauungstrakt auf sehr seltsame Weise mit verbaler Ausdrucksfähigkeit in Verbindung gebracht werden soll, mag auf manchen Leser unangenehm wirken, bei empfindlichen Menschen sogar Ekel auslösen. Den Mitgliedern des "Vereins für deutsche Sprache" (VDS) in Regensburg gefiel der Spruch dagegen scheinbar so gut, dass sie sich nicht zu Schade waren, ihn auf ihrer Seite neben einer Reihe weiterer Zitate unter dem Titel "Goldene Worte - Schöne Sprüche" zu veröffentlichen. Eine zweite Liste, als das entsprechende Pendant zur Ersten, findet sich ein paar Zeilen weiter unten: "aus der Worthölle" bezeichnet dort eine Sammlung scheinbar diabolischer Slogans wie "It is your Heimspiel! - Make it real"(vgl. VDS Regensburg). Besonderen Anstoß nehmen die Vertreter des VDS an den darin verwendeten Anglizismen. Ziel des VDS Regensburg als Regionalgruppe des bundesweiten Vereins ist dabei die deutsche "Kultursprache" vor dem vermeintlichen Untergang zu retten, den dieser in einer "Durchmischung" mit "fremden", "undeutschen" Wörtern finden würde.

WEIT, WEIT LINKS
//16. Juni 2008
Die "Morgenröte am Horizont" ist es, die Lafontaine meint schon entdecken zu können. Im Osten ist die Linkspartei, die sich selbst als "sozial gerecht und antifaschistisch" präsentiert, laut Umfragen mit fast 30 Prozent stärkste Kraft vor CDU und SPD. Grund genug für den ehemaligen Rektor der Uni Regensburg, Gustav Obermaier, dass diejenigen "die links, und weit links von den herrschenden Kräften des Kapitals stehen" endlich "gemeinsame Handlungen machen" . Welche Handlungen das genau sein sollen und warum Dr. Obermaier sich selbst eine "weit, weit linke" Identität geben möchte, das ist uns nicht klar. Glasklar ist uns aber, dass die Integrationskraft der bürgerlichen Gesellschaft auch die Linkspartei nicht verschont. Darum, aber nicht ausschließlich darum, dreht sich der folgende Text, schließlich können wir, wenn wir schonmal beim Thema sind, Realsozialismus, die Deutschen und die Querfrontambitionen der "Linken" nicht einfach unerwähnt lassen.

FIGHT HOMOPHOBIA!
//14. Juni 2008
Trotz der Tatsache, dass die westliche Homosexuellenbewegung heute Erfolge feiert, kann nach wie vor weder von einer juristischen noch von einer gesellschaftlichen Gleichstellung gesprochen werden. Auch vom Verschwinden des Schwulenhasses kann nicht die Rede sein: Homosexuelle stoßen immer noch auf Ablehnung von Politikern, Kirche und großen Teilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Ob Homosexuelle als "Perverse" oder "Teufelsanbeter" beschimpft werden, der Hass insbesondere auf männliche Homosexuelle ist in Europa Ausdruck der Identitätskrise des patriarchalen Mannes. Homophobie ist der Abwehrreflex des dummen Mannes , der panische Angst vor dem eigenen "Machtverlust" hat - was "Entmännlichung" bedeuten würde - die durch die Konkurrenz zu Homosexuellen und emanzipierten Frauen welche zunehmend gesellschaftlich akzeptiert sind, entsteht. Am veralteteten Männlichkeitsmodell wird verzweifelt festgehalten. Mit der Homophobie geht eine aggressiv-abwertende Haltung gegen selbstbestimmte Frauen, aber häufig auch gegen Juden einher. Homophobie ist ein internationales Problem und sehr weit verbreitet. In den meisten Ländern der Welt werden Homosexuelle weiterhin unterdrückt,diskriminiert,verfolgt, ausgegrenzt und z.T. drohen ihnen drakonische Strafen. Rechtsextreme Angriffe auf öffentliche Veranstaltungen in Russland, Gefängnisstrafen in Ägypten oder öffentliche Hinrichtungen im Iran - die Kette der Beispiele ließe sich beliebig erweitern. Doch ob in Moskau oder Teheran - das Recht auf Emanzipation ist weder ein europäisches , noch gibt es sonstwo ein Recht auf Unterdrückung. Eine Linke die die Homosexuellenverfolgung zur "Eigenart" der islamischen Welt kulturalisiert können wir daher nur ablehnen. Das Recht auf Emanzipation ist universell! Für freie Menschen überall! Fight Homophobia!

Bilder CSD in Regensburg 2008 #1 #2

ANTIFACAFÉ: MITTENWALD
//20. April 2008
Dieses Mal wurde für das AntifaCafè ein größerer Rahmen gewählt. Die Informationsveranstaltung zu dem Traditionstreffen des Kameradenkreises der Gebirgsjäger in Mittenwald und den Protesten dagegen findet am 24.04.08 im Paradiesgarten statt. Als Referent_in konnten wird ein Mitglied des AK Angreifbare Traditionspflege gewinnen. Im Zentrum des Vortrags steht das Soldatentreffen, an dem neben Abordnungen der Bundeswehr und Politprominenz wie Edmund Stoiber auch revisionistische und faschistische Organisationen, u.a. die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger, teilnehmen. Unter den Gästen des Kameraden- kreises tummeln sich stets auch zahlreiche Kriegsverbrecher, die z.B. für die Wehrmachts- massaker in Kommeno (Italien) und Kephallonia (Griechenland) verantwortlich waren. So zum Beispiel der in Italien zu lebenslanger Haft verur- teilte Kriegsverbrecher Josef Scheungraber aus
Ottobrunn bei München, gegen den die Staatsanwaltschaft München I aktuell Anklage wegen Mordes erhoben hat. Aber auch die Proteste, wegen denen in Mittenwald an Pfingsten mittler- weile die Urlauber_innen wegbleiben, weswegen der Kameradenkreis dieses Jahr auf Anfang Mai ausweichen musste, werden Thema der Veranstaltung sein.

23. APRIL 1945
//19. April 2008
Das Frühjahr des Jahres 1945 besiegelte das Ende des deutschen Nationalsozialismus. Regensburg wurde am 23.April, andere Städte wenige Zeit später von den alliierten Truppen befreit. Für viele Menschen kam die jahrelang sehnsüchtig herbeigesehnte Rettung jedoch zu spät.
63 Jahre nach der Schoah,im wiedervereinigten, wiedererstarkten und vor allem geläuterten Deutschland, gehört es heute zum guten Ton immer wieder pflichtbewusst zu mahnen, zu warnen und zu erinnern. Gedacht wird dabei den toten und ermordeten Juden.
Mit den lebenden Juden hat man dagegen bis heute so seine Probleme. Insbesondere, sobald es um Israel geht. Im Gegensatz zu den Deutschen, so wird selbstbewusst verlautbart, hätten diese Juden offensichtlich nichts aus der Vergangenheit gelernt. Und so stellt man sich bis heute mit untrüglichen Instinkt auf die Seite derjenigen, die sich gegen die „zionistische Tyrannei“ zur Wehr setzen.
Ingrid Strobel, die selbst über Jahre glühende Antizionistin war, rechnet mit dieser vermeintlich “hochmoralischen” Pose sehr eindringlich ab und unterzieht in ihrem Vortrag ihre eigene Vergangenheit einer schonungslosen Kritik.

Anna und das Anderle

WHY YOUR REVOLUTION IS NO LIBERATION
//8. November 2007
Unter dem Slogan »Why your revolution is no liberation!« veröffentlichten 10 Gruppen aus Deutschland und Österreich einen dreisprachigen Reader, um sich kritisch mit der breiten Anti G8 Mobilisierung auseinanderzusetzen. Inhaltlich orientieren sich die Texte von Moishe Postone über Adorno bis Jean Amery an Grundverständnissen einer umfassenden Kapitalanalyse und des Antisemitismus.
Der Reader 'Why your revolution is no liberation!' zum G8-Protest in Heiligendamm ist jetzt online. Er kann auf der Homepage http://www.no-liberation-reader.tk/ heruntergeladen werden.

TRANSFORMATION DES ANTISEMITISMUS
//8. November 2007
Der Antisemitismus ist nicht einfach ein historisches Problem. Er ist kein Problem der Vergangenheit, sondern der Gegenwart, auch wenn es nur vor dem Hintergrund der Vergangenheit begriffen werden kann. Der Antisemitismus hat weltweit eine gespenstische ideelle und zum Teil auch praktizierte Allianz aus Rechtsradikalen, Islamisten und Teilen der Linken hervorgebracht, die gerade hierzulande mit Sympathien seitens der Regierung wie auch der Bevölkerung rechnen kann. Ebensowenig, wie der heutige Antisemitismus auch nur irgendetwas mit dem tatsächlichen Verhalten von JüdInnen zu tun hat, hat der Antizionismus als Platzhalter und Ausdruck dieses Antisemitismus unmittelbar etwas mit dem Verhalten der jeweiligen israelischen Politik zu tun. Der Antisemitismus wie der Antizionismus speisen sich aus dumpfen Ressentiments – Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität , gegen Intellektualität und Liberalität , gegen Ausschweifung und Freizügigkeit , gegen Bürgerlichkeit im ursprünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne , nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn. Der Vortrag besteht aus zwei Teilen: Der geschichtlichen Schilderung der verschiedenen Formen des Antisemitismus bis in die Neuzeit und der Erörterung aktueller Ausprägungen des Antisemitismus, wie etwa dem strukturellen Antisemitismus, dem Antizionismus und dem islamischen Antisemitismus. Der Vortrag stellt den Versuch des Referenten dar , durch Aufzeigen der Geschichte und der Ausprägungen des Judenhasses die Aktualität und die Gefährlichkeit des antisemitischen Wahns adäquat darzustellen und ist, um auch Menschen zu erreichen, die sich zuvor nicht mit der Materie beschäftigt haben, bewusst einfach gehalten.
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